Die Kochkomödie: eine philosophische Nachbetrachtung unseres Kochtreffs vom 2. Februar 2008

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Genaugenommen war es der Tag vor dem Tag vor Rosenmontags-Tag,

demzufolge war es ein Februar-Samstag, wie man leicht erraten mag.

Wir hatten uns schon nachmittags um vier beim Theo eingefunden

und freuten uns auf ein paar vergnügliche und besinnliche Stunden.

Da standen wir also, wir so durstigen, wir so hungrigen Seelen

und wollten richtig gemein und gemeinsam die Kochlöffel quälen,

zum Auftakt probierten wir erstmal ein Schlückchen Sekt,

und der hat zumindest schon mal recht gut geschmeckt.

Dabei standen wir noch ganz fröhlich locker und luftig herum,

doch bald stürzten wir uns rein in das Koch-Komödiantentum.

Ganz zu Anfang tat einer ganz gefährlich die Messer wetzen,

sozusagen die leichtbeschürzten Damen an die Arbeit hetzen,

hier massakrierte Angelika grad ein paar harmlose Möhrchen,

putzte sie ganz runter bis auf ihre grünen schamlosen Öhrchen.

Überhaupt bemühte sie sich als recht gewiefte Gemüsetante,

die sich in der Folge noch einem weiteren Gemüse zuwandte,

sie umsorgte erfolgreich drei unbescholtene Fenchelköpfe,

und warf sie rücksichtslos zum Garen in irgendwelche Töpfe.

Anita und Anja unterdessen gemütlich im Pudding rumrührten,

und nur selten mal den Löffel an die Puddingschnute führten.

 

Hinter Orchideen hat sich verschmitzt die Annegret versteckt

und für die Kartoffeln einen gewitzten Plan sich ausgeheckt,

Die hat sie einzeln ganz zart und rosig mit Rosmarin beträufelt,

und dann gemeinsam auf einem nackten Backblech angehäufelt!

Währenddessen ließ die Biggi den armen Doraden keine Ruh,

die stopfte sie vollkommen mit Knoblauch und dergleichen zu,

daß die armen Tierchen sich recht bald ihrem Schicksal ergaben

und flunderplatt auf dem ihnen vorherbestimmten Bleche lagen.

Und dann war da einer beim Quälen der kleinen Fischchen dabei,

der hatte der Hände wohl gleich genaugenommen vier oder drei!

 

 

Die Anita schwingt ihren Besen immer noch im Pudding ganz verbissen,

sie mag anscheinend das Leben ohne ihren Pudding nicht mehr missen,

doch während die Tini so nötig wie möglich die toten Möhren beschrabbt,

da hat doch unsere Puddingverliebte einfach nur das riesige Glück gehabt,

daß des Fotografens Apparat nie in einem der vielen Momente geklickt,

in dem sie mal wieder so ganz halbverliebt an ihrem Pudding geschlickt!

Überhaupt, Anita, hast du ja eigentlich ein richtiges Riesenschwein,

du mußt tatsächlich riesig schweinisch und glücklich darüber sein:

Du nur brauchst im Kochtopf mit dem Schneebesen schwingen,

Deinen Eberhard dagegen tust zum Besenschwingen Du zwingen,

daß Du Deinen Lehrer im Berufsleben so gelehrt hast das Fegen,

vielleicht wird´s ja in der Pension seine Berufung und Dein Segen?

 

 

Denn wie der Eberhard beinah wie Schmidts Katze fegt über den Fliesenboden,

man sieht auf glänzender Stirn ja geradezu katzengleich des Fegers Feuer toben,

was Herrn Thoben, unseren Garrelt aus Lütt Ostiem, wohl fürchterlich amüsiert,

während Janssens Edgar weiterhin und so ungerührt seinen Sellerie massakriert.

Doch bei all diesem hier gezeigten männlichen Leidens- und Schaffensdrang,

es verwundert, daß nicht ein einziges Wort des Leidens und Klagens anklang,

daß in der Luft noch ein ganz anderer als der Kochduft rumschmauchte,

weil nämlich der Fotograf ganz erschöpft mit seiner Pfeife rumrauchte!

Oder lag es nur daran, daß noch nicht genug vom Jever Bierchen geflossen,

daß die Nonsmokies des Rauchers Leidenschaft noch nicht hat verdrossen?

Aber diesen Fehlbedarf hat dann einer mit weiser Weitsicht erkannt,

und seinen alten Arbeitsplatz vom Besen direkt an´s Bierfaß verbannt,

und als gelernter Lehrer kriegt er das Faß gewissenhaft immer leerer,

aber pensionspflichtenbewußt hat der durchaus gelernte Bodenkehrer

seine Sportübungen weiterhin beim Abwaschen und Trocknen eingeübt:

es ist halt gut, daß den Kochstar nun mal so leicht kein Wässerchen trübt!

Doch zu schwitzen scheint man beim Spülen ein bißchen mehr,

denn beim Zapfen da mußte doch noch ein Pulloverchen her!

Aber mal ehrlich: geiler Geschirrspüler, fixer Pilsverzapfer und bester Besenreiter,

so´n sportlicher Arbeitsplatzwechsel ist doch´n Klacks für ´nen Ex-Fachbereichsleiter.

Da hat sich doch eine aus dem Süden im Norden einen ruhigeren Job gesucht,

wahrscheinlich aber innerlich beim vielen Falten die Ruhe dieses Jobs verflucht?

In heiliger Dreifaltigkeit faltet nämlich von den schwäbischen Moses die Anja,

die Servietten zu einem beinahe schon schwedischen Schmetterlings-Tanga,

und das dann gleich für die ganze um sie herum vor Wut kochende Bagage,

denn hinter ihr gerieten zweie mit einem völlig verirrten Fenchel in Rage,

der sich kullernderweise auf dem Fliesenboden glatt in sich selbst zerlegte

und - bevor ihn unser Irrwisch mit seinem Heulbesen von demselben fegte -

sich lieber in den entzückten Händen von zwei gebückten Ladies entschmückte,

was wiederum die umherflippende Kochsippe fürs erste fürstlich beglückte.

Vom Fenchelvergnügen vollkommen ungerührt und fröhlich unbeschwert,

hatte sich Küchenchefin Elisabeth noch um etwas rötlichen Lachs geschert,

und damit der im Backofen nicht allzu schnell würde völlig verhitzt und verheizt,

hat sie ihn rein prophylaktisch und vorsichtshalber und höchstpersönlich eingebeizt.

Zutiefst in den Lachs vertieft hat sie also in der eigenen Küche gar nicht mitbekommen,

daß unter den ansonsten doch so friedlichen Frauen fast ein Totschlag wurd vernommen,

wie nämlich Heerens Angelika mordlüsternen Blickes und mit mordgräßlichem Schrei,

auf der gar nicht wehrlosen Biggis Haupt fast den armen Schneebesen schlägt entzwei,

wobei Frau Engelkes fast ehrlos ihr sonst so warmes Engelswesen nicht mehr gekannt,

indem sie der Tini die für den Lachs gedachte Gabel fast in die kahle Kehle gerammt!

1000 Krabben hätt´ er eigenhändig gepult, tat der Edgar sich erst aufwallen,

wahrlich sind sie ihm aber nackig vom Himmel direkt in den Topf gefallen,

und da haben sie nach etwas mehr Aroma und mehr Geschmack geguckt,

woraufhin fremde Köche dem Krabbensuppenspezi in die Suppe gespuckt

und derselben mit Würz und Wein einen echten Spitzengeschmack verliehen,

was der Spezi den Mitköchen wohl spitz auf Knopf nicht gleich hat verziehen.

Das hatten doch die Würzhilfeleistenden auf der Kochparty so nicht gewollt,

daß ei so einem Suppengedicht der eigentliche Suppendichter nur so schmollt

daß am End der Geschicht Edgar mit den Scherenhänden glatt davon spricht,

wenn die so die Krabben schänden: Nein, das ist sie, das ist meine Suppe nicht!

Ein paar von den Männern hab ich bislang eigentlich gar nicht erwähnt,

obwohl die sich des vollbrachten Küchendienstes hatten gar nicht geschämt,

doch nach der ganzen Arbeit haben sie hier wohl irgendwas ausgeheckt

und vorsichtshalber hinter sich fast das ganze liebe grüne Bierfaß versteckt.

Sozialamts-Andree tut hier wohl das richtige Amtsdeutsch reden,

dazu gibt dann der Finanzen-Wilfried seinen ratspolitischen Segen,

in der Bier-Talkrunde schnabuliert auch immer mit der Garrelt aus Poggenkrug,

verdeckt von Edgar, der übrigens - erinnert Ihr´s - krabbenfarbene Socken trug

und hier sich wohl mit einem Bierchen erzählt den lieben ganzen Krabbenfrust weg;

und all dem lauscht Theo, unser aller Gastgeber und aller Updorfer Erdbeeren Chef.

.In der einen Ecke also eine kühle Blonde die kühlen Gemüter erhitzt,

alldieweil der Zweck des Abends in Elisabeths heißen Öfen schwitzt:

Rosmarinierte Kartöffelchen schmoren hier nebeneinander und nett,

direkt neben einem fenchelfröhlichen und möhrenvollen Gemüsebett,

bauchvoll gefüllte Doradenfische rösten in feinstem Mantel aus Speck,

das duftete genau wie Rosenmontag, richtig karnevalskölsch und jeck,

daß wir noch rosig fastenden Jecken es doch kaum konnten erwarten,

mit Messer und Gabel bewaffnet in den Speisenkarneval zu starten

Anja als eines Krabbenkriegers Importschlager aus dem Schwabenlande,

schneidet´s Brot, schwäbisch geschickt fängt sie von rechts an am Rande,

bei Anita hat der Fotografierer schon wieder genau diesen Moment verpasst,

in dem die Puddingschnute ganz heimlich ein Häppchen vom Puddinglöffel fasst,

die liebe Annegret halb verhungert ein Schnäppchen vom Gemüsebett verschlingt,

wozu die Biggi ebenso halb verdurstet ein Schluck von dem Bierchen lieber trinkt -

die letzten Vorbereitungen laufen also durch für das große gastliche Mahl

und beendet sind jetzt endlich die Stunden der fast quälenden Fastenqual;

gut, daß unsere Frauen die ganze Geschichte haben dermaßen gut im Griff

und versehen die ganzen Gerichte noch mit dem gewissen weiblichen Kniff!

Dann war´s ostfriesische 13-Köche-Menü schließlich und endlich plus-quam-perfekt

und auf dem 13-Köche-Tisch für die 13 Köche auf 13 Köche-Tellern eingecheckt:

Da waren ostfriesische Himmelskrabben in ihrem Süppchen in Weißwein ertrunken

Doraden und Lachs lachend im Umfeld von Biotöffelchen und Gemüsebett versunken,

schwäbisches Schokodessert dank Kaffeeeinsatz zum Krönungs-Pudding hocharomatisiert

und ein Vanillepudding mit ostfriesischer Bohnensopp zum alkoholischen Knaller stilisiert!

Was einzig und allein hierbei fehlte, war vom Kochsender Vox das berühmte Kamerateam,

aber ich glaube ganz fest dran, das kriegen wir im nächsten Jahr wohl mit Sicherheit hin.

Nach solch einem gelungenen opulent-ostfriesischen Drei-Gänge-Gelage,

da stand´s für uns Männer fest, sozusagen ganz und gar und außer Frage,

zu Belebung und Behebung des Magens darfs was Magenfreundliches sein,

der bewegende Theo wagte es und beschenkte uns einen kragenvollen ein:

42 Prozente erzwitscherten aus dem sagenhaft freundlichen Zwetschgenbrand,

der seinen zwitschernden Weg magenbetäubend durch aller Speiseröhren fand,

woraufhin wir verabredeten uns sofort, bei dieser pfläumlichen Sorte zu bleiben,

es nicht so unverschämlich wie die Damen auf ihrer dämlichen Seite zu treiben,

die sich Flasche auf Flasche auf des Tisches weibliche Hälfte karren ließen,

um rasch und rascher die Schnäpschen in die weitoffenen Hälse zu gießen!

Dem Edgar, dem hatten ja fremde Köche vorhin fast seine Suppe versalzen,

doch vergessen - er konnt ja nun mit seinem schwäbischen Albtraum balzen,

der´s gleich einer schwäbischen Keule schafft, seine Zunge im Zaum zu halten,

daß dieselbe nicht mehr über hilfsbereite Mitstreiter kann schelten und schalten.

Und zungentechnisch so gezäumt, läßt er es am Tische ständig schallend krachen

und bringt dabei auch inständig seine noch gar nicht lallende Albfrau zum Lachen,

Doch wenn im nächsten Jahr noch mal jemand Fremdes an seinem Porree schnitzt,

dann danke er doch lieber für die Hilfe und sei so raffiniert gewürzt und gewitzt:

versprüh er dann lieber 500 Meter weiter an unserem Hammrich seinen Charme:

bei Edgars schwarzweißer Garde - im Stall auf Bauer Wilhelms Beauty-Farm!


Dann begab es sich fürwahr und wofür sonst zu leicht fortgeschrittner Zeit,

da anzettelten die Fortschreiter einen heut als fortschrittlich geltenden Streit,

da haben sie am Tisch leichte Unruhe um einen Friedfertigen produziert,

der wie schon Stunden zuvor zum Rotwein sich sein Pfeifchen exerziert,

der als einsamer Raucher am Tische verqualmte seinen trostlosen Dunst,

und sie umwetterten des Rauchers, des Dichters doch so brotlose Kunst:

denn unter den Biedermännern ist heut´ so ein Raucher das scharze Schaf,

er gilt als liederlicher Brandstifter, als Böller - und sie saufen nur ganz brav,

und haben solch böllernde Köche erst mal ´nen Klitzekleinen in der Krämerkiste,

steht die schmauchende Minderheit meist wie´n Spinnefeind auf der Abschußliste!

Es war dann wohl etwas verrückt zu etwas vorgerückterer Stund,

schöne obszöne Witze machten am Frauentisch die frauenverzückte Rund,

So isses nun mal: wenn der Schnaps gut läuft und das Bierchen schmeckt,

dann werden bei den Frauen die männerfreundlichsten Sachen ausgeheckt.

Und einer von diesen schönen Witzen war wohl so versaut und elisabethanisch nett

daß sie sich lauthals lachend auf ihre Schenkel haut, die Kitchen-Queen Elisabeth.

Bei ihrer Nebenstuhlerin hat dieser Joke wohl voll ins Schwarze getroffen,

oder war diese Dame um diese fühe Uhrzeit etwa schon dermaßen besoffen

oder hat dieses Witzchen bei Frau Schmidt so sehr ihr aufrechtes Wesen gelinkt,

daß des Eberhards Anita voller Scham mit Brill´ und Nas im Bierglas versinkt!

 

In der ostfriesischen Reihe auf des Tisches anderer Seite hat´s aber auch geschmeckt,

wie man wohl sieht, wie der notorische Herr Sutorius sich hier gerade die Zunge leckt;

hellaufbeglückt, daß es vom Gast- und Schnapsgeber wieder mal ein Schnäpschen gibt,

der glücklichee Garrelt sein Gläschen ganz dicht an den Schnäpschenträger heranschiebt,

während der theologische Theo zu dieser Uhrzeit wirkt so über alle Maßen zerfahren,

was ja nur logisch, wenn man erfährt, was er an Flaschen tat für die Damen ankarren,

was dann in der Männerrund an Zwetschgengezwitscher sich noch so begab,

das verlangt einem Mann innerhalb Stunden schon mal eine ganze Menge ab,

das läßt so einen Mann innerhalb der Runden ganz leicht mal altern um Jahre,

da stehen selbst einem Erdbeerchef gefährlich schnell mal zu Berge die Haare!

Wenn jetzt einer der werten Leser meint, er sei aus der Sippe zu kurz gekommen,

der wird bei anderer Gelegenheit bestimmt noch mal auf die Schippe genommen.

Wenn einer meint, ich hätte bei ihm vielleicht doch wirklich zu stark untertrieben,

dann schreib er mir das bitte ausführlich, das wird ihm leicht rundweg verziehen.

Sollten dabei Zeilen sein, die nicht so inhaltlich und kunterbunt abgerundet -

dann lag das am Rotwein, der hat mir beim Dichten doch mitunter gemundet.

Und wenn einer der Ansicht, ich hätte mich selbst dabei doch zu sehr vergessen;

hier bin ich doch zu sehen: mit Rotwein und Pfeifchen - und noch vollgefressen!

Aber eins fehlt noch in diesem Gedicht - und das ist ja wohl krabbenklar:

Ich freu´mich schon auf den Treff bei Elisabeth und Theo - im nächsten Jahr!