Die wundersame Mär vom Profesor Gunia in Bramsche

Die letzte Woche eines meist verregneten Urlaubs stand ins Haus

und mit Almines Hilfe dacht ich mir was vielleicht Sonnigeres aus:

anstatt am Strand von Mallorca meinen Körper in der Sonne zu verramsche,

da fährste doch lieber zum Professor Gunia in´s kleine Städtchen Bramsche,

Der legte doch der Almine und Mutter Frieda im Gespräch vertraulich ans Herz,

er könne mir helfen, mit meiner linksseitigen Lähmung und dem Rückenschmerz!

Also fuhr ich eines Montags mit Almine und Frieda im Auto in vertrauter Runde -

zu meiner Unterhaltung schloß sich noch an Freund Werner dem trauten Bunde -

aus Ostfriesland nach Bramsche und dem ewigen Sonnenschein entgegen,

doch an ein Sonnenglück zu glauben, das erschien mir absolut verwegen!

Allein, was ich in dieser Urlaubswoch´ an für mich Unvorstellbarem hab´ erlebt,

das hat mich in der ersten Sekund´ zu diesem kleinen Berichtsgedicht bewegt!

 

Nach dem fröhlichen Empfang wurd´ ich gleich zur Arbeit rangezogen,

fast eine halbe Stunde büffelte ich rum an dem Patienten-Fragebogen!

Ob ich träum, ob ich schwitz oder frier, das mußt´ ich da reinschreiben,

dann erst tat man mich in des Professors gute Nagelstube reintreiben!

Da mußt´ ich demselben zuerst mein zart´ Zünglein entgegenstrecken:

was tat er da wohl auf den Belegen so zügig wohl Zartes entdecken?

Barsch ermahnt lieh ich dann diesem gutmütigen nadelwütigen Mohr

nichtsahnend aus reiner Gefälligleit und gutwillig erst mein linkes Ohr,

woraufhin er sich nicht mit chinesischer Bescheidenheit tat beschicken,

sondern beinahe unverfroren wollt´ er auch noch ins rechte Ohr blicken,

inwelchselbem er augenblicklich im Ohrenschmalz rechtmäßig erkannt,

daß der traurige Nacken zwischen den Öhrchen so rechtens verspannt!

Gesprächsabschließend tat er dann minutenlang meinen Puls befühlen,

wahrscheinlich um für´s Folgende mir den Mut diagnostisch zu kühlen

 

 

Und dann stand ich da, bis auf die Unterhos` jedes Schutzschildes beraubt,

da hab ich wohl noch an das Gute im Menschen und im Professor geglaubt!

Doch der Folterknecht begann seine Tortur mit fast mörderischen Entzücken,

zuerst mußt´ ich armer armer Patient mich nur ganz leicht nach vorne bücken

woraufhin er lauter Mörderpiekser hinterrücks in der Rücken mir gerammt,

dabei er aber nicht im Geringsten die chinesische Rücksicht mehr gekannt!

Und dann hat er mich rücksichtslos kinetisch in die Rückenlage gehebelt,

da war ich wirklich froh, daß er mich sogleich nicht auch noch geknebelt!

Und dann legte er los, ich glaub, es geschah wohl in mehr als Blitzessschnelle,

denn schneller als jeder Blitz war des Professors Nadelgewitter auf alle Fälle,

Es war traumhaft sicher, wie absolut jede Nadel in jeden Akupunturpunkt krachte,

was mit Sicherheit dem Prof ja auch wohl den Titel des Piekzessors einbrachte!

 

Der Knecht ließ mich allein zurück im Verlies auf des Pieksers Pritsche,

und der Angstschweiß schwitzte sich bei mir aus jeder Pore, jeder Ritze,

und ich lag da verdrießlich und schließlich ganz dem Schicksal ergeben:

was erwartete mich wohl noch in meinem jetzt so arg vernadeltem Leben?

Doch das Schicksalsgebeuteltsein, das verschwand nur Minuten später,

und ich weiß nicht, begann es im Herzen, in der Milz oder in der Leber?

Mittendrin in mir, da machte ein wohlfühlende Wärme sich auf einmal breit

und ich wurde hineingewoben in einen Kokon glücklicher Glückseligkeit,

fühlte mich im Schutzschild der Wärme so absolut vertraut und geborgen

und es verschwanden wie im Nirvana des Gefolterten Ängste und Sorgen.

Doch der Wärme wahrer Grund, der tat sich mir erst nach 20 Minuten auf:

ich schlug die Augen auf und blickte direkt auf das Wärmewunder drauf!

 

Denn da hatte mich wachgerüttelt die Angelika mit engelhafter Stimme,

mich teuflisch entzückt aus dem Gefühl völl´ger Entrückheit aller Sinne,

und hat mir dann direkt und vor die braven schlaftrunkenen Augen geführt,

was mein Herz und mein Leben und meine Sinne so aufs Wärmste berührt!

Das war nämlich vergleichbar der Aladdins die Wunderlampe der Chinesen,

die so erleuchtet und erwärmt die Untiefen in meinem allerinnersten Wesen!

Mit ihren elekromagnetischen Schwingungen, da wirkt und da arbeitet sie,

da beschwingt und beglückt sie Dich zuinnerst mit wohliger Wärmetherapie!

Gestreßt und geplagt wie ich gewesen nach all der Piekserei und den Stichen

da entging es mir glatt, als der Professor von mir und der Marterliege gewichen,

daß er hatte die Wunderlampe angeschaltet, um mich geheim zu bestrahlen,

nach diesem Pieksen und Ritzen, diesen unheimlich mörderischen Qualen!

Doch als ich da lag, gespickt wie ´ne Ente mit 30 chinesischen Kostbarkeiten,

da tat mich diese Lamp´ einfach in vollkommen neue Gefühlswelten verleiten.

 

 

 

10 mal hat der Prof mich in der Woche auserkoren als privates Nadelkissen,

mehr als zwei Millionen Piekse hat er insgesamt schon auf dem Gewissen,

doch nicht eine einzige dieser Nadeln hat er persönlich bei mir rausgezupft,

die haben bei mir entweder die Angelika oder das Binchen Anne abgerupft,

die haben mich armes Halbschaf aus dem Träumen immer aufgeschreckt,

mich aus dem warmen Halbschlaf grund- & vorsätzlich zu früh aufgeweckt!

Ein Traum war dabei, da wackelte ich zu einem blonden Schäferstündchen,

grad wie Oscar unser Dackel schnackelt zum frommen Schäferhündchen:

ich fühl schon, wie mein Traum meine Lippen mit dem Mündchen betupft,

da klopft die Anne an: Jetzt werden die Nadeln aus dem Hühnchen gerupft!

Und es lehrt uns diese abrupt beendete, ach so traurige Schäfergeschicht:

`nem unerfüllten Traum, dem traust im Leben über die Leber Du besser nicht!

`

 

s/

Doch Deine Träume, die bewahrst Du, bis zu Deinem jüngsten Gericht,

und so schließe ich hier erstmal mein wahrliches Guru-Gunia-Gedicht:

Für die liebevolle Linderung durch den stets strahlenden Nadelplagegeist,

bin ich ja gern täglich von Ostfriesland aus so unsäglich landesweit gereist,

als Dank taten mir nächtens noch ein paar satanische Verse entspriessen,

welchselben die sehr verehrte Leserschaft ja wohl nicht zu sehr verdrießen,

denn das darf nicht sein, dann hätten die was vollkommen falsch verstanden,

gar so ewig bleib ich sicher nicht fern den so nadeligen Bramscher Landen,

einige Wochen übe ich mich jetzt schon in Enthaltsamkeit und Nadelverzicht

und das fällt mir sehr schwer, warum glaubt mir das kein einer denn gar nicht?

Bald komm ich wieder für ´ne Woch´ und laß mir das Leben schön versüßen:

vom Professor wieder süß vernadelt - von Kopfes Schopf bis zu den Füßen!

 

 

Zurück zur Titelseite