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Wie ich nach der Tia zum Niki kam

 

Wegen der Pein in meinen Beinen seit Jahren ich nirgendwo, bei keinem Doktor die geringste Hilfe fand,
bis eines wunderschönen Tages ein spannender Bericht mitten drin im Anzeiger für Harlingerland stand.
Beschrieben wurde darin als neue Schmerztherapie die Behandlung nach dem Faszien-Distorsions-Modell,
und so dachte ich sofort, das versuchste natürlich, da bewirbste Dich mal, aber das am besten ganz schnell!
Sogleich nahm ich das Handy zur Hand, rief in der Praxis an und bat freundlichst um einen kleinen Termin,
doch wie so üblich zieht sich das mit den Terminen bei den Doktors mitunter so ein paar Wochen doch hin!

 

Am Abend des 10. März, also fast an den Iden desselben, nahm dann das Unglück seinen vorläufigen Lauf,
da bekam ich nämlich so rein gesundheitstechnisch gesehen, zu später Stund mal wieder einen kleinen drauf,
kaum lag ich schlafensgewillt in meinem Bett, da kribbelte es los im linken Arm, an der ganzen linken Seiten,
und dieses Gefühl der tausend Ameisen, das wollte in diesen Minuten nicht so wirklich Freude mir bereiten!
Nur allzu schnell wurde in dem Augenblicke eine mitunter verdrängte, da ungeliebte Erinnerung wieder wach,
an das gleiche Kribbeln vor über sechzehn Jahren, an meinen Schlaganfall mit all dem darauf folgenden Krach!

 

Auf Drängen meiner Biggi hab ich dann nicht allzu lange da gelegen und über mein tristes Schicksal überlegt,
und meinen in den vergangenen Jahren schon mehrfach gut gepflegten Kontakt zur Notfallrufnummer gepflegt.
Und wie der Zufall in meinem Leben schon häufig eine mehr oder weniger entscheidende Rolle spielen wollte,
sich in dem Moment unser aller Hausarzt, der Doktor Kühl, am anderen Ende der Leitung geradezu rumtollte!
Dem war nach meiner kurzen Schilderung nur allzu klar, was in sol einem Falle bei mir einzig zu machen sei,
aber trotzdem sagte er, der formalen Ordnung halber, da schaue er doch lieber noch mal kurz bei uns vorbei!

 

Kaum hatte ich mich in meinen Jogginanzug gezwängt, da klingelte es recht stürmisch an unseres Hauses Tür,
und eigentlich noch meine ganzen sieben Sachen in eine Tasche einpackend stürmte Biggi los und öffnete ihr.
der coole Doktor untersuchte mich, ließ mich eine Tablette verschlucken und rief den Krankenwagen heran,
zu dem ich dann nächtens joggte, mich durch die Türe zwängte und auf die einladende Bahre legte sodann
und so fuhr ich dann mit: mit Dennis Meyer, mit vielen Kabeln versehen und vor allem richtig angeschnallt,
ist dann dieses Krankentaxi zur mitternächtlichen Stunde und ganz im Dunkeln nach Sanderbusch geknallt!

 

Von da an, in der Notfallaufnahme, auf der Stroke Unit und auf der Station war es eine reine Tödel-Tirade,
ich hab von Anfang an nicht mitgezählt, und im Grunde genommen ist dies mein Versäumnis jammerschade,
denn zig Mal mußte ich den Ärzten erzählen, mit welchen Symptomen diese Geschiche begann ihren Verlauf,
geduldig, meinem sanften Gemüt entsprechend, nahm ich diese gelegentlichen Verhöre so gemütlich in Kauf!
Doch die Durchblutungsstörungen und anschließenden Ausfallerscheinungen schlugen mir voll auf die Backe,
und die versammelten Doktoren nannten es niedlich TIA, meine erste Transitorische Ischämische Attacke!

 

Einer war dabei, ein junger, ein recht stämmiger, sozusagen jungstämmig und mußmutig wirkender Bajuware,
bei dem ich irgendwann landete, wie üblich in Liegeposition, also eigentlich liegend aufgebahrt auf der Bahre,
der hat mir den Hals mit Gel bestrichen und mit Ultraschall festgestellt, da sei der bekannte Arterienverschluß,
genau wie vor drei Jahren hier festgestellt, vollkommen inoperabel, aber schließlich sei bekannt ja der Verdruß!
Sein Oberoberarzt kam noch hinzu und herrschte ihn so nett beiläufig und unmißverständlich unfreundlich an,
daß man sich mit so was (so einem TIA-Kretin?) wirklich nicht unnötig, womöglich noch länger aufhalten kann!

 

Ob dieser mir unverständlichen oberoberärztlichen Ungehörigkeit war ich richtig innerlich gebügelt und geplättet,
vielleicht und hoffentlich hat mir der Fremdschämungs-Vorfall aber ein paar zusätzliche Jahre an Leben gerettet!
Denn irgendeine Bemerkung hat der Bajuware im kurzen weiteren Unteruchungsverlauf noch von sich gegeben,
wie genau dieser Wortlaut war, das fiel mir nicht mehr ein, bis heut nicht und bestimmt nicht im weiteren Leben!
An der Inoperabilität der Arterie hatte ich auf einmal leise Zweifel, will aber nicht sagen, sogar starke Bedenken!
auf jedenfall wollte ich gelegentlich meine empfindliche Nase diesbezüglich mal in eine andere Richung lenken!

 

>Eine komplette Woche verweilte ich noch voller Langeweile mit meinem little Stroke in Sanderbusch in der Klinik,
zweieinhalb Tage vergassen sie mich irgendwie ganz zu untersuchen - kein Joke! Das erhellte völlig meine Mimik!
Freitags tat man noch mal vergeblich die permanent und ohne Unterbrechung schmerzenden Beine untersuchen,
doch finden tat man nichts und ich fing dann, damit´s außen keiner merkt, innerlich richtig lauthals an zu fluchen,
und hab dann ebenso lauthals für mich beschlossen, wenn die hier mal wieder gar nichts in mir kriegen zu fassen,
dann können die mich zu meinem Trost am kommenden Montag ganz einfach und trostlos aus der Klinik entlassen!

 

Und so wie ich es mir gesagt, so haben die es dann getan und die nötigen Entlassungspapiere in Auftrag gegeben,
und mit denselben trat Dr. Pratsenko am Montagnachmittag vielleicht zum letzten Mal in mein so betrübliches Leben,
der extra aus Sankt Petersburg in die Klinik Sanderbusch mit seinem dermaßen freundlichen Wesen war eingezogen,
daß sich bei so viel Gesprächsbereitschaft und Mitgefühl, kurz Liebenswürdigkeit, schon beinahe die Balken bogen!
Acuh meine Biggi war von dem jungen Mann und seinen lieben Worten richtig begeistert und noch ein bißchen mehr,
doch ehrlich gesagt, fiel uns selbst trotzdessen der Abschied von diesem ehrenwerten Hause diesmal nicht so schwer.

 

Gerade rechtzeitig war ich so nach Hause entlassen für den ersten Termin in Jever zur Faszien-Distorsions-Modellage,
bei Michael Birkheuer, der sich als chirurgischer Modellathlet bei dieser Behandlung brachte in fast athletische Rage.
Nie im Leben hatte ich Perplexer einen Arzt bei der Ausübung seines Berufes mit solch einer Hingabe schuften sehen,
solche Kraftanstrengung, das konnter normalerweise auf keine Kuhhaut und schon gar nicht auf die Unterhaut gehen,
denn dieselbe meinige hat er bis zur völligen Erschöpfung von den Füßen bis zum Bauch so brachial durchgeknetet,
ob der vielen Schweißperlen auf seiner Stirn hab ich zwischenzeitlich fast um das Wohlergehen dieses Arztes gebetet!

 

>Dreimal hat der kraftvolle Unfallchirurg so fast bis zum Umfallen an mir und vor allem meiner Unterhaut herumgeackert,
bis sich seine anfänglichen Bedenken zu den Erfolgsaussichten seiner Methode als feste Gewißheit in ihm festgetackert,
zu einem Gefäßchirurgen sollte ich gehen, z.B. zu dem in dem Krankenhaus in Wilhelmshaven, dort im Reinhard-Nieter,
da hab ich bloß gesagt, da war ich schon, da hab ich zwar wahnsinnig gelacht, da sehen die mich bestimmt nicht wieder!
Woraufhin der Birkheuer bloß meinte, auch in Wilhelmshaven, im Willehad, da lade noch ein anderer gerne Patienten ein,
den Namen dieses Gefäßspezialisten wußte er natürlich nicht mehr so genau, das müßte aber irgendwie so ein Niki sein!

 

Gleich nach meiner Sanderbusch´schen Episode hatte ich natürlich meinem lieben Hausarzt einen Besuch abgestattet,
der ob meiner häufigen Heimsuchungen in den all diesen Jahren allein bei meinem Anblick sicherlich innerlich ermattet,
aber mit seiner ihm innewohnenden stoischen Gelassenheit doch einwilligte, mich in die Ammerland-Klinik einzuweisen,
obwohl er glaubte, so eine verstopfte Carotis, das operieren die nicht, der Engelkes hat wohl den Kopf voller Meisen!
Sofort holte ich mir dort einen Termin, aber für eine Einweisung forderten die von einem Facharzt den ärztlichen Segen,
also ich wieder zum gelassenen Dr. Kühl, welcher überwies mich sofort zu einem zugelassenen neurologischen Kollegen.

 

Im selben Atemzug und das dann auch noch mit einem Stethoskop stellte der Doktor Herzrhythmusstörungen bei mir fest,
und beorderte mich alsbald wieder in seine praktische Praxis zum herzallerliebsten und manschettenbegleiteten Radeltest,
den ich aber anscheinend nicht nur mit gewisser Finesse, sondern auch mit besonderer Bravour im Rhythmus bestand,
was ich wiederum diesmal gar nicht bis überhaupt nicht und nur im Geringsten für mich so sonderlich verwunderlich fand,
da ich mich in den Wochen vor diesem Termin allmorgendlich in aller Herrgottsfrüh strampelte auf unserem Trimmrad ab,
daß ich dazu allerdings morgens ohne Frühstück nicht neudeutsch Ergometer sage, darüber breche man ruhig den Stab!

 

So frisch abgestrampelt und getrimmt tauchte ich dann ein paar Tage später bei Dr. Kühls neurologischem Kollegen auf,
und von dem Tag an nahm mein Leben auf einmal einen ganz anderen, man könnte fast sagen, neuen biologischen Lauf!
Da hatte doch dieser Meister aller Klassen vor Kurzem erst ein neues Ultraschallgerät für seine Behandlung erstanden,
und damit tat er nun seinen Coup an meiner rechten Halspartie, eben an der eigentlich ja verstopften Halsarterie landen!
Hatte doch auch er selbst vor rund drei Jahren den Verschluß an eben derselben als genau solchen noch diagnostiziert,
so vermutete er auf auf einmal, vielleicht würde diese Diagnose nach radiologischer Untersuchung doch noch korrigiert!

 

Die nette neurologische Vorzimmerdame hatte mir noch für den kommenden Mittwoch telefonisch einen Termin beschafft,
und somit hatte ich mich an eben an jenem Tag in die radiologische Bude vom Wittmunder radiologischen Trio aufgerafft!
aber weder der Hecht noch Weimar haben das Ergebnis dieser computertomographischen Untersuchung aufgeschrieben,
mit einem Zettel von den Lahr´s ihrem Christof hat es mich in letzter Sekunde zurück in die neurotische Praxis getrieben!
Gewohnt? ungnädig hat mich Herr Glettenberg an diesem späten Mittwochmittag doch noch zu einer Audienz gebeten,
mit dieser mir so ungewohnt erwiesenen Gnade ist er aber sicherlich sehr gerne über seinen eigenen Schatten getreten!

 

Denn der tomographische Befund vom guten Christof hatte ja eindeutig seinen Verdacht aus der Vorwoche bewiesen,
der Arterienverschluß war nicht verschlossen - der gute Alfred und der sanderbusch´sche Bajuwar seien es gepriesen!
Und so schrieb mir dann endlich der erfolgreiche Neurologe die ersehnte Überweisung in die Ammerland-Klinik aus,
den dazu passenden Termin in Bad Zwischenahn hatte ich inzwischen so an die vier Wochen schon bei mir zu Haus!
Und ich ward glücklich und zufrieden und freute mich auf die Untersuchung und alles Weitere dahier im Ammerland,
und ahnte natürlich nicht im Geringsten, was mir noch so rein operativ gesehen für ein Jammer da bevor noch stand!

 

Doch für den folgenden Montag, also genau den Tag vor dem Dienstag mit dem Termin für die Klinik in Westerstede,
da hatte ich mir ja noch einen anderen Termin besorgt, gemäß dem mich so beeindruckenden Birkheuerschen Gerede.
Bei dem von ihm erwähnten Niki sollte ich erscheinen, in Wilhelmshaven, im altehrwürdigsten St. Willehad Hospital,
dieser Arzt sollte doch die Ursachen erforschen und den Grund ergründen für meiner beiden Beine unwürdige Qual.
Von der Arbeit fuhr ich dahin, und gleich zur Begrüßung legte man mir ans Herz und darauf ganz besonders Gewicht,
ich möge doch bitte beachten. daß der Niki nicht Niki, sondern Krasniqi heißt, was man wie Krassnitschi ausspricht!

 

Es bestürmt mich aber erst eine Dame; als Fachärztin für Chirurgie und Gefäßchirugie von mir alsbald hochgeachtet,
hat sich diese Frau Doktor Barbara Happe erst mal mit ihrem Ultraschallgerät meine Beine rauf und runter betrachtet!
Zuvor hatte ich ihr naürlich aufs Ausführlichste von der so ewig währenden Pein in meinen Gehinstrumenten erzählt
und dabei wohl in meinem nicht mehr so ganz jugendlichen Enthusiasmus die richtigen zielführenden Worte gewählt,
daß sie sich auf ihrer sonographischen Suche mit dem Echoloten nach den Flunken sofort auf meine Leisten gestürzt,
woraufhin sie meine alte Hoffnung auf etwaige Besserung (ohne Flunkern) mit neuer Zuversicht gestärkt und gewürzt.

 

"Potzblitz" sagte sie plötzlich, glaub ich, oder sprach sie vielleicht nur so was ähnliches wie verflixt & dreimal zugenäht,
wahrscheinlich hat sie den Befund, den sie bei mir fand, mit einer gänzlich anderen Beschreibung mir wohl beigedreht!
Jedenfalls bin ich stante pede innerlich unbeschreiblich abgedreht und hätte beinahe eine große Dummheit begangen,
am liebsten hätte ich nämlich die gute Barbara nur innigst liebkost und mit aller Inbrunst und meinen Armen umfangen:
ganz gewöhnliche Krampfadern, und die direkt in meinen Leisten, das sei ja wohl die Ursache für all meinen Schmerz;
Freunde, Ihr könnt mir ruhig glauben, in der Sekunde da wurde es mir gleichzeitig warm und wärmer ums kleine Herz!

 

War´s irgendwie vorbestimmt, eine Fügung oder hatte sich nur ein innerer Schweinehund diese Vorsehung ausgeheckt,
auf jeden Fall hatte ich mir aus irgendeinem Grunde die tomographische CD von meinem Halse in die Tasche gesteckt,
die hab ich dann ganz einfach mal herausgeholt und fast freudestahlend diesem freundlichen Arzt in die Hände gegeben,
der soeben zu uns beiden ins Untersuchungszimmer getreten war - und damit direkt hinein in das mir gegebene Leben!
Der hörte sich mit seinen Ohren mein Leid und meine vielleicht auch ein klein wenig bewegende Lebensgesschichte an,
dann schaute er mit seinen dunklen Augen ganz tief und in die meinen dunklen hinein und verriet mir abrupt seinen Plan:

 

Die Stenose der Halsarterie hat Vorrang für den Genesungsverlauf, damit fang´ ich an bei Ihnen mit der Schnippelei -
am Mittwoch operier ich Sie, da sind Sie schnell dran und machen sich in der Kürze der Zeit auch keinen Kopf dabei!
In meiner Panik, wie ich dieser Androhung entkomme, wie ich doch nur meine Flucht aus diesem Raume sollte starten,
da platzte es nur so raus: Das geht nicht, ich kann nicht, für Freitag hab ich für ein Jethro-Tull-Konzert zwei Karten!
Doch diese Ausflüchte, die machten dem verehrten Doktor Krasniqi ja anscheinend nicht im Geringsten irgendwas aus:,
Dann operiere ich Sie einfach morgen früh, dann können Sie am Freitag ganz gelassen und getrost wieder nach Haus!

 

Richtig platt war ich in diesem ersten Moment, sozusagen vom Grunde meines Herzens an tiefgefroren und geschockt,
hab mich aber in meiner urplötzlich wiedergewonnenen Unerschrockenheit zum konsequenten Handeln durchgerockt,
nämlich mein Taschentelefon aus der Tasche gezaubert und mit demselben kurzfristig bei Biggi zu Hause angeklingelt,
ich hab´s nicht gesehen, aber nach meiner Berichterstattung hat sich bei ihr sicherlich mehr als nur ein Haar gekringelt!,
Auf jeden Fall hat sie dann zu der Hals-über-Kopf-Operation auch ganz schnell Ja und auch ganz schnell Amen gesagt,
denn ich hatte ja selbst schuld, ich hatte mich schließlich selber mit meinem Löwenmut in die Höhle desselben gewagt!

 

Flugs wurde ich dann auch zur Anmeldung und anschließend weiter auf die Station 2 in den zweiten Stockwerk geführt,
und im Zimmer Nummer 220 bei zwei noch etwas älteren Herren ganz vorne neben der Eingangstür einfach einquartiert.
Das waren der betont seriöse Hans Rademacher und der merklich jovialere, ans Tüdelige grenzende Kalli Zimmermann,
mit dem man, wie ich tags darauf bemerken sollte, ruhig ein kleines Pläuschchen auf die feine englische Art halten kann.
Abendbrot hab ich auch noch ein wenig bekommen, aber da die Cafeteria zu war, gab es nirgendwo was zu Naschen,
aber die Biggi und die Jule hatten bei ihrer Abendvisite nebst der Wäsche noch ein paar Frikadellen in ihren Taschen.

 

Mit denselben in meiner Wampe konnte ich den nächsten frühstücksfreien Morgen wenigstens einigermaßen aushalten,
aber im Laufe des diätmäßigen Vormittags da rumorten in meinem Magen doch verstärkt ein paar knurrende Gestalten!
Dieses mir ja so unbekannte und wesensfremde Gefühl der innerlichen Leere hat mich wohl in leichten Wahn getrieben,
auf jeden Fall hab ich meiner Biggi eine Stunde vor dem Abmarsch zur OP noch eine besänftigende SMS geschrieben:
die alten Apatschen, die hätten ja schließlich seinerzeit den tapferen Old Shatterhand genau so operiert an seinem Halse,
die hätten weder Krankenhaus noch Narkose gehabt, nur den Medizinmann in ihren Wigwams da irgendwo am Walde.

 

Merkwürdig war es mir schon, ich war absolut ruhig und gelassen vor der ersten Operation in meiner Lebensgeschichte,
ich war mir sicher, trotz aller Gefahr bei dieser OP, ich würde noch kommen zu den Zeilen in diesem meinem Gedichte.
Es war dieser allererste Eindruck von Dr. Krasniqi, der in mir gegründet in diesen Mannn wirklich zutiefstes Vertrauen,
ich hab es wirklich sofort in seinen Augen gesehen, auf den kannst du dich absolut verlassen, auf den kannst du bauen!
Der Chef-Anästhesist bereitete übrigens am Tag vor der Aufritzerei noch etwaig vorhandenen Sorgen bei mir jähes Ende,
er versicherte mir nämlich im Vorbereitungsgespräch, und zwar glaubwürdig, der Doktor hätte ja wohl begnadete Hände!

 

Ich weiß nicht mehr, wie spät es gerade war, als ich dann endlich wieder das schummrige Licht dieser Welt erblickt,
vorsichtig tastete ich an meinem Halse entlang, aber er war mit einem richtig riesigen Pflaster richtig wichtig gespickt.
Der Durst stieg in demselben empor, mein Hunger entwickelte sich zunehmend zur geradezu beißenden Seelenpein,
doch Pfleger Alex mahnte nur lakonisch geduldig, etwas Essen oder Trinken, das dürfe vorerst auf keinen Fall sein!
Ich fühlte mich mies, doch als meine Biggi kam, mitleidend an meinem Krankenbette saß auf dieser intensiven Station,
aber das Strahlen in ihen Augen, daß ich es geschafft hatte mit der OP, das berührte mich in der intensivsten Version!

Irgendwann im Gespräch mit der mir so lang Anvertrauten kam dann ein fremdes Stöhnen in meinen Ohren an;
und durch die Vorhänge des Raumes rief mit lauter Stimme ich: Das ist mein Zimmernachbar, der alte Zimmermann!
Das heißt ein Rufen war´s ja eigentlich nicht, es kam ja wohl eher als besoffenes Krächzen bei meinem Bettgenossen an,
dessen unkontollierten, da gerade frischoperierten Antworten als betroffenes Ächzen sich über mein Bett ergossen dann!
Dieser doch längerwährende Smalltalk so inmitten einer allen Besuchern sicherlich Respekt einflößenden Intensivstation,
der ließ meiner Biggi ob seiner abgrundtiefen Absurdität respektierlich sicher die ersten grauen Haare wachsen schon!

Zum Glück mußte sie aufgrund ihrer ja irgendwann notwendig erscheinenden Abreise eine weitere Peinlichkeit nicht ertragen;
welchselbe lag begründet in der Hast, mit der ich den Durst zu stillen suchte, der da weilte wahrscheinlich mitten im Magen!
zu meinem Glück war gerade zur Visite ein persischer Doktor, der sich mit deutschem Vornamen einfach Michael nur genannt;
das persische an ihm, das hab ich pervertiert, auf urteutsch vergessen, aber ich hab den Namen ganz bestimmt einmal gekannt!
Während er mich visitierte, da spie ich nämlich direkt an ihm vorbei mir die ganze Seele heraus aus meinem malträtierten Leib,
als gewiefter Arzt sah er das natürlich auf sich zukommen und hielt prompt & prophylaktisch gleich eine Spuckschüssel bereit!

Intensiv waren sie also wirklich, die Erlebnisse und Gefühle bei den freundlichen Helfern auf dieser ach so unbeliebten Station,
doch war ich glücklich und befreit von der stenotischen Last, zwar mit Riesenpflaster und Verband, aber wen störte das schon?
Angst hatte ich ja vorher eigentlich überhaupt keine, mir beinahe schon daselbst eine Tapferkeitsmedaille hatte ich mir verliehen,
aber hätte ich vor der OP nicht wenigstens ein kleines Kribbeln im Bauch gehabt, das hätte auch Winnetou mir niemals verziehen!
Den flinken Helfern und den flotten Mädels auf der Intensiv wollte ich frühmorgens erzählen die Geschichte mit Old Shatterhand,
aber diese alte Story, die hätte mir am Tag nach der Halsoperation sowieso keiner geglaubt und erst recht keiner hätt sie gekennt!

Irgendwie immer gern denk ich noch zurück an meine ersten, aber zum Glück ja nicht letzten Tage im altehrwürdigen Willehad,
es berührten mich die liebevollen Schwestern, Pfleger und Ärzte hier inmitten dieser nicht gerade so verehrungswürdigen Stadt!
Diese Fürsorge, diese Freundlichkeit, dieses stets liebenswert für den Patienten bereit zu stehen inmitten dieser alten Gemäuer,
Das hat mir die Tage versüßt, da hab ich mich einfach wohl gefühlt, und das klingt im Nachhinein betrachtet nicht ganz geheuer!
Belustigt hat mich dann mein Mütterchen noch, die kam am zweiten Tag nach der OP, und da da war ich noch leicht benommen,
aber sie meinte allen Ernstes, hier im willehadschen Bett, da hätt´ ich wegen der vielen Sonne im Gesicht richtig Farbe bekommen!

Nicht nur die hübsche Mira, die Gülcan, die Beate, nein alle Schwestern der Station habe ich damals richtig ins Herz geschlossen,
selbst den Pflichtbesuch der hochbetagten katholischen, aber liebenswürzigen Willehad-Nonne hab ich ein klein wenig genossen,
ich weiß ja absolut nicht mehr, ob´s dieselbe war, ich hab die Dame nach 24 Stunden einfach nicht mehr so voll und ganz erkannt,
aber irgendeine von diesen stets fröhlichen-gelassenen Schnatterinchen hatte ich auf der Intensivstation Schwester Rabiata genannt!
Natürlich waren diese Tage mit so einem inkomfortablen Schnitt im Halse nicht nur und unbedingt das allerreinste Zuckerschlecken,
aber dermaßen fürsorglich und ärztlich umgarnt taten dieselben doch ein gewisses Quentchen Hoffnung in meinem Innersten wecken.

Der Donnerstag nach dem 22. Mai führte an meinem Krankenbette zum alltäglichen Aufmarsch der Gladiatoren sodann,
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22.05.2012 OP Carotis interna Halsschlagader

20.06.2012 OP Abdominelles Aorten Aneurysma Das Triple-A-Monster

22.08.2012 OP Krampfadern

15.11.2012 OP Stent PTA links

19.02.2013 OP Stent PTA rechts

 
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